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Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) hat nach internationalen Vorbildern damit begonnen, wissenschaftlich fundierte und zugleich praxiserprobte Leitlinien zu entwickeln. Ziel ist die Verbesserung der Versorgungsqualität und die Erhöhung der Nutzen-Aufwands-Relation hausärztlicher Versorgung.
Die Entwicklung erfolgt nach den Prinzipien der ‘evidence-based medicine’, bezieht Anwender wie Patienten ein und umfaßt bereits vor Veröffentlichung einer Leitlinie die Prüfung von Praktikabilität und Akzeptanz in einem Praxistest. Zur Unterstützung der Implementierung in die Praxis besteht jede Leitlinie aus mindestens fünf Modulen, darunter speziellen Materialien, die sich an Praxismitarbeiter und Patienten richten. Anhand einer Checkliste wird die methodische Qualität der Leitlinien überprüft. Die Evaluation von Folgen und Wirkungen der Leitlinien auf die Patientenversorgung ist fester Bestandteil des DEGAM-Konzeptes.
Das DEGAM-Konzept zur Entwicklung, Verbreitung, Implementierung und Evaluation von Leitlinien für die hausärztliche Praxis umfaßt eine Reihe von innovativen Aspekten bzw. Elementen, die im deutschen Sprachraum bisher wenig beachtet und in dieser Form erstmals realisiert worden sind. Die wichtigsten Merkmale des Konzeptes zeigt die folgende Zusammenstellung:
- Die Themen, der zu bearbeitenden Leitlinien werden nach Möglichkeit so ausgewählt, daß ein Patientenanliegen - und nicht eine bereits verifizierte Diagnose - zum Ausgangspunkt wird.
- Die DEGAM-Leitlinien beschreiben nicht alle maximal möglichen Versorgungsoptionen, sondern eine optimale, im Einzelfall angemessene, bedarfs- und aufgabengerechte hausärztliche Grundversorgung.
- Das Entwicklungskonzept beruht auf internationalen Vorbildern bzw. Ergebnissen von Evaluationsstudien und sieht ein schrittweises Vorgehen im Rahmen eines transparenten ‘Zehnstufenplans’ vor.
- Die Entwicklung der einzelnen Empfehlungen erfolgt auf der Basis gründlicher Literaturanalysen nach den Prinzipien der ‘evidence-based medicine’.
- Soweit Studien als Belege für einzelne Empfehlungen vorliegen, werden in der Langfassung sechs verschiedene ‘levels of evidence’ unterschieden. In der Kurzfassung werden diese zu einer dreistufigen ‘Stärke der Empfehlung’ zusammengefaßt.
- Die Beteiligung der späteren Anwender von Leitlinien ist essentieller Bestandteil des Zehnstufenplans. Eine kritische Beurteilung von Entwürfen erfolgt erstmals auf dem Wege einer Panel-Befragung von etwa 25 erfahrenen Allgemeinärzten/innen aus Forschung, Lehre und Praxis.
- Darüber hinaus wird in einem Praxistest bereits vor der Veröffentlichung die Praktikabilität und Akzeptanz der Leitlinien unter Praxisbedingungen durch Ärzte/innen, Praxismitarbeiter/innen und Patienten/innen beurteilt.
- Für Praxismitarbeiter/innen werden spezielle Telefon- bzw. Praxisleitfäden mit Empfehlungen erstellt, die den Aufgaben des Praxisteams gerecht werden und z. B. bei Anrufen von Patienten eine erste Vorklärung ermöglichen.
- Wichtige Leitlinieninhalte werden in Form von allgemeinverständlichen Patienten-Faltblättern und individuellen Infozepten auch in die Sprache von Patienten ‘übersetzt’.
- Die für den Einsatz in der Praxis bestimmten Module enthalten prozeßhafte Darstellungen, die sich an typischen Praxisabläufen orientieren.
- Der ablauforientierte – und bewußt nicht enzyklopädische – Aufbau prädestiniert für die angestrebte Integration der Module in Praxis-EDV- bzw. Inter- und Intranetkonzepte (insbesondere in ‘vernetzten Praxen’).
- Die Definition der Schnittstellen zu Kliniken, anderen Fachspezialisten bzw. Gesundheitsberufen, mit Angabe von Indikationen zur Überweisung und Einweisung, sind fester Bestandteil der Leitlinien und werden soweit möglich mit den betroffenen Fachgesellschaften abgestimmt.
- Soweit entsprechende Daten verfügbar sind, werden gesundheitsökonomische Auswirkungen der einzelnen Empfehlungen, insbesondere in Form von Kosten-Nutzen- und Kosten-Kosten-Rechnungen explizit berücksichtigt.
- Eine Strategie zur Verbreitung, Implementierung und Evaluation der Leitlinien ist integraler Bestandteil des DEGAM-Konzeptes.
- Zur Vorbereitung einer späteren Überprüfung von Wirkungen und Folgen werden in jeder Leitlinie detaillierte Evaluationsziele und -kriterien angegeben.
- Die Überprüfung der methodischen Qualität aller DEGAM-Leitlinien erfolgt mit Hilfe einer Checkliste der Ärztlichen Zentralstelle Qualitätssicherung.
Leitlinien, die in angemessener Weise die verfügbare wissenschaftliche Evidenz sowie die Praktikabilität und Akzeptanz unter Praxisbedingungen berücksichtigen, richten sich als Hilfen zur Entscheidungsfindung an Ärzte wie Patienten. Insbesondere in der hier angestrebten Verbindung mit einem strukturierten Qualitätsmanagement in der Praxis sind sie geeignet, in unserem Gesundheitswesen als Instrumente zur Steuerung von Qualität und Aufwand zu wirken.
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