Schwere Enteropathien unter Olmesartan

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft berichtet von Sprue-ähnlichen Enteropathien bei Patienten, die seit mehreren Monaten oder Jahren mit Olmesartan behandelt wurden.

Wörtlich heißt es: „Die Symptome der Enteropathie umfassen schwere, chronische Durchfälle mit einem zum Teil erheblichen Gewichtsverlust, die Anlass zu stationären Behandlungen waren. In den Fällen, die auf die Gabe von Olmesartan zurückgeführt werden konnten, bildete sich die Symptomatik nach Absetzen zurück. In zehn Fällen wurde der kausale Zusammenhang durch eine Reexposition bestätigt. Die Sprue-ähnliche Enteropathie wird jetzt als Nebenwirkung in die amerikanischen Produktinformationen von Olmesartan-haltigen Arzneimitteln aufgenommen. Berichte über eine derartige Enteropathie im Zusammenhang mit anderen Sartanen liegen nicht vor“. Den ausführlicheren Bericht können Sie unter www.akdae.de/Arzneimittelsicherheit/Bekanntgaben/Archiv/2013/20130902.html lesen.

Die Mayo Clinic in Rochester hatte bereits letztes Jahr auf 22 eigene Fälle mit chronischem Durchfall und einer schweren Gewichtsabnahme (im Mittel 18 kg) hingewiesen, die zwischen 2008 und 2011 aufgetreten waren. Eine Sprue wurde in jedem Fall ausgeschlossen, eine glutenfreie Ernährung blieb erfolglos. 64% der Patienten mussten stationär aufgenommen werden. Die Publikation aus den Mayo Clinic Proceedings ist frei herunterladbar unter www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3538487/

Zum Stellenwert von Olmesartan schrieb das arznei-telegramm in der Ausgabe 4-2011:

•    Ein klinischer Nutzen des Angiotensin (AT)-II-Antagonisten Olmesartan (OLMETEC, VOTUM) ist auch nach achtjähriger Vermarktung nicht belegt.
•    In der aktuell publizierten ROADMAP-Studie (NEJM 2011) senkt Olmesartan bei Patienten mit Typ-2-Diabetes die Rate der neu auftretenden Mikroalbuminurie – ein Surrogatparameter, dessen klinische Relevanz unklar ist.
•    Olmesartan mindert aber gleichzeitig die glomeruläre Filtrationsrate stärker als Plazebo und steigert die kardiovaskuläre Sterblichkeit.
•    Wir raten von dem Me-too-Präparat ab.
•    Wenn überhaupt AT-II-Blocker in Betracht gezogen werden, sollten aufgrund der Datenlage als Reservemittel bei Hypertonie Losartan (LORZAAR, Generika) und bei Herzinsuffizienz Candesartan (ATACAND, BLOPRESS) verwendet werden.

Herzliche Grüße
Michael M. Kochen


Prof. Dr. med. Michael M. Kochen, MPH, FRCGP
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