Presse-Statement zum Kongress: DEGAM

Deutschland steht vor großen gesundheitspolitischen Herausforderungen, für die es keine einfachen Antworten und keine Lösungen innerhalb einzelner Fachdisziplinen gibt. Vor diesem Hintergrund hat sich die DEGAM mit dem Kongress „Gesundheit gestalten – gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ mit drei weiteren Fachgesellschaften zusammengeschlossen, um interdisziplinäre Ansätze und Lösungen zu diskutieren.

Wir leisten uns eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit, erzielen damit aber allenfalls durchschnittliche Ergebnisse. Gleichzeitig wird vielfach Versorgung angeboten, deren Nutzen nicht ausreichend belegt ist, während Praxen und Notaufnahmen an Kapazitätsgrenzen stoßen. Hinzu kommen erhebliche gesundheitliche Ungleichheiten und eine wenig ausgebaute Verhältnisprävention.

Beim Kongress werden neue Impulse für diese Herausforderungen diskutiert. Die Allgemeinmedizin bringt die Perspektive einer Versorgung ein, die Menschen oft über lange Zeit begleitet und medizinische, psychische und soziale Faktoren zusammenführt. Gesundheitsförderung und Prävention gehören ebenfalls in die hausärztliche Praxis.  Sozialmedizin und Medizinsoziologie erweitern diesen Blick um die gesellschaftlichen Bedingungen von Gesundheit und Krankheit. So entsteht eine Grundlage dafür, was Menschen hilft, welche Versorgung wir brauchen und wie wir begrenzte Ressourcen sinnvoll einsetzen. Die evidenzbasierte Medizin verpflichtet sich dem wissenschaftlichen Nachweis der Wirksamkeit medizinischer Maßnahmen und ihrem tatsächlichen Nutzen.

So bringt der Kongress wissenschaftliche Erkenntnisse, Erfahrungen aus der Versorgung und gesellschaftliche Perspektiven zusammen – und stellt auch unbequeme Fragen: Was brauchen wir wirklich? Was wirkt? Was können und wollen wir uns leisten? Und wo müssen wir scheinbare Gewissheiten hinterfragen? Forschung soll dabei nicht nur präsentiert, sondern gemeinsam diskutiert und auf ihre Bedeutung für die Praxis geprüft werden. Mehr als 1.000 eingereichte Abstracts und über 1.600 Anmeldungen zeigen, wie groß der Wunsch nach diesem Austausch ist.

Für die DEGAM ist klar: Die Zukunft unseres Gesundheitswesens kann nicht nur darin liegen, immer mehr medizinische Leistungen anzubieten. Entscheidend ist vielmehr, die richtige Versorgung zur richtigen Zeit zu ermöglichen und dabei Über- und Unterversorgung gleichermaßen zu vermeiden. Dafür müssen wir Parallelstrukturen überwinden, die wissenschaftliche Evidenz konsequenter zur Grundlage von Entscheidungen machen und die verfügbaren Ressourcen gezielter einsetzen. Unser Gesundheitssystem leistet viel, muss aber wirksamer, effizienter und stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet werden. Der Kongress soll dazu beitragen, gemeinsam fachübergreifende Antworten und tragfähige Perspektiven für die Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung zu entwickeln.

Pressekontakt

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)

Natascha Hövener, Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: presse@degam.de

Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
http://www.degam.de