Presse-Statement zum Kongress: DGSMP
„Gesundheit und Krankheit entstehen immer auch in der lebensweltlichen Wirklichkeit der Menschen“, sagt Prof. Dr. Dr. Christian Apfelbacher, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der DGSMP. „Gesundheit ist damit ein gesellschaftliches Gut, wird aber allzu oft auf das Individuum und dessen Eigenverantwortung beschränkt.“ Die gemeinsame Tagung biete die Möglichkeit, Gesundheitsförderung und Prävention aus einer breiteren gesellschaftlichen Perspektive zu denken und dabei sowohl sozial bedingte gesundheitliche Ungleichheit als auch die verfügbare oder noch zu entwickelnde Evidenz für wirksame Prävention in den Blick zu nehmen.
Soziale Gesundheit als gemeinsame Aufgabe
„Medicin ist eine sociale Wissenschaft“. Formuliert hat den Satz Salomon Neumann 1847; Rudolf Virchow hat ihn kurz darauf aufgegriffen und erweitert. Bis heute beschreibt er den Auftrag unserer Fachgesellschaft. Seit 1963 führt die DGSMP Forschende, Lehrende und Praktizierende aus Medizin, Gesundheitswissenschaften und Sozialwissenschaften zusammen. Sie tritt ein für gesundheitliche Selbstbestimmung und Chancengleichheit, für die Befähigung aller Menschen zu gesundheitsförderlichem Handeln und für ein ausgewogenes Verhältnis von Eigenverantwortung und Solidarität. Dieser Anspruch lässt sich in keiner Disziplin allein einlösen. Deshalb richtet die DGSMP ihre Jahrestagung 2026 gemeinsam mit der DEGAM, dem EbM-Netzwerk und der DGMS aus.
Die gemeinsame Ausrichtung ist keine Gelegenheitsentscheidung. Bereits 2022 verständigten sich die Vorstände von DGSMP und DEGAM darauf, ihre thematischen Schnittmengen systematisch zu bearbeiten. Daraus entstand eine Workshop-Reihe, die DGSMP, DEGAM und die Deutsche Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen gemeinsam tragen: 2024 in Dresden und Würzburg, 2025 in Erlangen. Der Befund ist in der Zeitschrift für Allgemeinmedizin dokumentiert.¹ Hausärztliche Praxisteams sehen die gesundheitlichen Folgen sozialer Ungleichheit täglich, können strukturell aber kaum gegensteuern. Der Öffentliche Gesundheitsdienst hat den kommunalen Auftrag zur Verhältnisprävention, ist mit der Primärversorgung jedoch nur unzureichend verzahnt. Die DGSMP bringt in diese Zusammenarbeit vor allem eine Perspektive ein: Health in All Policies.
Schwerpunkte der DGSMP in Göttingen
- Key Note: Silja Kosola, MD, PhD (Helsinki), spricht über „Connected or chained? Adolescent mental health in a digital era“ und damit über eine Frage, die Sozialmedizin, Versorgung und Gesundheitspolitik gleichermaßen betrifft. (Mittwoch, 30. September, 16.15 bis 17.45 Uhr).
- Verhältnisprävention: Der vierte gemeinsame Workshop von DGSMP, DEGAM und DGÖG setzt die Reihe fort: „Zukunftsorientierte Zusammenarbeit von hausärztlicher Versorgung, Öffentlichem Gesundheitsdienst und Sozialmedizin. Wege zu einer gemeinsamen Verhältnisprävention“. Ziel ist, eine fachgesellschaftsübergreifende Arbeitsgruppe zu gründen (Donnerstag, 1. Oktober, 11:45 Uhr bis 13:15 Uhr).
- Auszeichnungen: Die DGSMP verleiht die Salomon-Neumann-Medaille (Mittwoch, 30. September, 18 Uhr) und ehrt außerdem den Nachwuchs mit Wissenschaftspreisen (Mittwoch, 30. September, nach der Key Note).
Als gemeinnützige und von Industrieinteressen unabhängige Fachgesellschaft bringt die DGSMP ihre Forschungsergebnisse und Praxiserfahrungen in gesellschaftliche und gesundheitspolitische Diskurse ein. Der Kongress in Göttingen ist dafür 2026 der wichtigste Ort.
Literatur
¹ Kloppe T, Pruskil S et al. Z Allg Med 2026. doi.org/10.1007/s44266-026-00523-0
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