Presse-Statement zum Kongress: EbM-Netzwerk

Gesundheitsversorgung lässt sich heute nicht mehr aus der Perspektive einzelner Professionen oder Disziplinen gestalten. Demografischer Wandel, zunehmende Spezialisierung und Fragmentierung der Versorgung, Digitalisierung und der verantwortungsvolle Einsatz künstlicher Intelligenz sowie die Frage nach wirksamer Prävention zählen zu den komplexen Herausforderungen, vor denen das Gesundheitssystem steht. Umso wichtiger ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse, unterschiedliche fachliche Perspektiven und Erfahrungen aus der Versorgung zusammenzubringen.

Warum wir gemeinsam „Gesundheit gestalten“

Dass DEGAM, DGSMP, DGMS und EbM-Netzwerk erstmals eine gemeinsame Jahrestagung ausrichten, ist deshalb für uns ein starkes Signal. Die vier Fachgesellschaften setzen unterschiedliche Schwerpunkte, teilen aber das Ziel, die Gesundheitsversorgung wissenschaftlich fundiert weiterzuentwickeln. Der Kongress schafft Raum, diese Perspektiven miteinander zu verbinden, voneinander zu lernen und gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.

Das Motto „Gesundheit gestalten – Gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ verstehen wir als Auftrag. Die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung steht von verschiedenen Seiten unter Druck, etwa durch die dynamische Kostenentwicklung bei neuen Arzneimitteln und Medizinprodukten sowie durch Falschinformationen und „Fake Science“. Umso wichtiger ist es, aufzuzeigen und zu diskutieren, wie Strukturen und Leistungsangebote so ausgerichtet werden können, dass sie eine wirksame und gerechte Versorgung sowie wohlinformierte Entscheidungen auf allen Ebenen des Gesundheitswesens unterstützen.

Aus Sicht des EbM-Netzwerks bieten die Prinzipien der evidenzbasierten Medizin dafür eine verlässliche Orientierung. Pauschale Kürzungen oder Reformen ohne verlässliche wissenschaftliche Grundlage können Fehlversorgung und Ungerechtigkeit verstärken. Evidenzbasierte Medizin und Gesundheitsversorgung bedeuten auch, wissenschaftliche Erkenntnisse transparent und verständlich zu vermitteln und Patientinnen und Patienten in Entscheidungen über ihre Gesundheitsversorgung einzubeziehen.

Höhepunkte des Kongresses aus Sicht des EbM-Netzwerks

Bereits die interaktive Eröffnungsveranstaltung im Fishbowl-Format macht den Anspruch des Kongresses sichtbar, unterschiedliche Perspektiven miteinander ins Gespräch zu bringen: Neben Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft und Gesundheitswesen bleibt ein Platz in der Diskussionsrunde bewusst offen, sodass sich Teilnehmende mit ihren Fragen und Erfahrungen unmittelbar beteiligen können.

Das EbM-Netzwerk unterstützt den Bürger:innentag ausdrücklich und war an seiner Vorbereitung beteiligt. Er bindet Patientinnen und Patienten sowie Bürgerinnen und Bürger aktiv in den Austausch mit Forschenden ein und greift damit zentrale Anliegen des Netzwerks auf: Forschungsergebnisse verständlich und transparent zu kommunizieren, Beteiligung auf unterschiedlichen Ebenen zu ermöglichen und die Verständigung zwischen Forschung, Versorgungspraxis und Bevölkerung zu fördern. Das Format soll außerdem den Austausch darüber anstoßen, wie Beteiligungsprozesse und ihre Ergebnisse angemessen evaluiert werden können, und damit die partizipative Gesundheits- und Sozialforschung nachhaltig stärken.

Ein besonderer Höhepunkt ist die Key Note des EbM-Netzwerks am 30. September um 12:30 Uhr. Prof. Carl Heneghan, Professor of Evidence-Based Medicine und Direktor des Centre for Evidence-Based Medicine an der University of Oxford, nimmt 30 Jahre Evidenzbasierte Medizin zum Anlass für einen Blick zurück und nach vorn. Im Mittelpunkt stehen die Folgen der kaum noch überschaubaren Informationsfülle: Wie lässt sich verlässliche Evidenz erkennen, wie kann Vertrauen erhalten werden und wie können Klinikerinnen und Kliniker selbst zu einer besseren Evidenzbasis beitragen? Heneghan thematisiert außerdem Research Waste, selektive Berichterstattung, Interessenkonflikte, die Lücke zwischen Forschung und Versorgung, den finanziellen Druck auf Gesundheitssysteme und die wachsende Bedeutung Künstlicher Intelligenz. Im Anschluss werden der David-Sackett-Preis und der Journalistenpreis „EbM in den Medien“ des EbM-Netzwerks verliehen.

Die besondere Stärke des gemeinsamen Kongresses liegt in seiner fachlichen Vielfalt: Workshops, Symposien, Vorträge und Poster verbinden Forschung, Methodenentwicklung und Versorgungspraxis. Das Format „Junge Perspektiven“ gibt dem wissenschaftlichen Nachwuchs Raum für Austausch und eigene Beiträge. Über Fachgrenzen hinweg werden wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze für das Gesundheitssystem diskutiert.

Wer wir sind?

Das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (EbM-Netzwerk) ist eine interprofessionelle und interdisziplinäre wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft. Wir setzen uns für eine Gesundheitsversorgung ein, die auf der besten verfügbaren wissenschaftlichen Evidenz beruht. Evidenzbasierte Medizin verbindet Forschungsergebnisse, klinische Expertise und die Perspektiven von Patientinnen und Patienten sowie Bürgerinnen und Bürgern – unter Berücksichtigung relevanter Kontextfaktoren.

Unser Selbstverständnis ist geprägt von Transparenz und Unabhängigkeit, vom Austausch zwischen unterschiedlichen Professionen und Disziplinen sowie von der Vernetzung von Wissenschaft, Versorgung und Gesellschaft. Wir bringen die Perspektive der evidenzbasierten Medizin in gesundheitspolitische Debatten ein, wirken an Leitlinien mit, entwickeln Methoden weiter und setzen uns dafür ein, dass EbM-Kompetenzen in der Aus-, Weiter- und Fortbildung stärker vermittelt werden. Die Fähigkeit, Studien kritisch zu lesen, ihre Qualität und Aussagekraft zu beurteilen und wissenschaftliche Erkenntnisse auf konkrete Versorgungsfragen anzuwenden, ist wichtiger denn je. Zudem fördern wir informierte Entscheidungen und die aktive Beteiligung von Patientinnen und Patienten.

 

Pressekontakt

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