DEGAM aktuell: Newsletter 02/2026

Liebes DEGAM-Mitglied, liebe Kollegin, lieber Kollege,

heute vor 60 Jahren – am 12. Februar 1966 – hat unsere Fachgesellschaft das Licht der Welt erblickt, als sie ins Vereinsregister in Bad Godesberg eingetragen wurde. Seitdem ist viel passiert – für die Allgemeinmedizin insgesamt, aber natürlich auch für die DEGAM. Wir sind gemeinsam groß geworden.

In den vergangenen 60 Jahren wurden die Strukturen der DEGAM professioneller und die Arbeit vielfältiger. Wir haben die Leitlinienarbeit ausgebaut – bis heute ist die DEGAM die medizinische Fachgesellschaft mit den meisten eigenen Leitlinien. Darauf können wir sehr stolz sein. Außerdem sind wir politischer geworden, wir mischen uns ein, wir geben der Allgemeinmedizin eine Stimme, die immer besser gehört wird.

Das alles wurde mit Ihnen möglich: Ihre tausenden Stunden ehrenamtliches Engagement und Ihre Leidenschaft für die Allgemeinmedizin machen die DEGAM zu dem, was sie heute ist: eine etablierte, respektierte und wachsende Fachgesellschaft.

Gleichzeitig finden wir: 60 Jahre sind für eine Fachgesellschaft noch jung. Das spiegelt sich auch in unserem Mitgliederwachstum wider, das besonders von vielen (jungen) Ärztinnen und Ärzten in Weiterbildung geprägt ist.

Lassen Sie uns gemeinsam daran freuen, was wir in 60 Jahren geschafft haben – und jetzt das anpacken, was an Aufgaben und Herausforderungen in den kommenden Jahren vor uns liegt.

Mit besten Grüßen

Ihre

Eva Hummers (Präsidentin)
Jutta Bleidorn (Vizepräsidentin)
Marco Roos (Vizepräsident)

Aus dem Präsidium

Glückwunsch zu 60 Jahren DEGAM

Vor 60 Jahren wurde die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) gegründet, um die wissenschaftlich orientierte Allgemeinmedizin zu stärken und um die Hausarztmedizin als evidenzbasierte Medizin weiterzuentwickeln. Inzwischen wurde viel erreicht, auch die Fachgesellschaft selbst wächst: Heute zählt die DEGAM über 9.000 Mitglieder, Tendenz steigend.

Gemeinsam gewachsen

Bei der Gründung war an eine eigenständige allgemeinmedizinische Disziplin nicht zu denken. Heute ist die Allgemeinmedizin universitär breit aufgestellt und zu einem intensiv forschenden Fach geworden. An dieser Entwicklung hat die DEGAM einen ganz wesentlichen Anteil. Allgemeinmedizin und DEGAM sind zusammen groß geworden. Auch thematisch und strukturell ist die Fachgesellschaft gewachsen.

Gleichzeitig hat sich das Berufsbild der Hausärztinnen und Hausärzte (Stichwort Primärversorgungssystem!) gewandelt - und tut es noch. Auch daran arbeitet die DEGAM mit. Die Leitlinienarbeit - eines der Herzstücke der DEGAM - wurde ebenfalls über die Jahre kontinuierlich ausgebaut.

In der Pressemitteilung DEGAM wird 60 - die Allgemeinmedizin feiert finden Sie weitere Meilensteine der letzten Jahre.

Einen ausführlichen Rückblick auf die frühen Jahre der DEGAM finden Sie in der Festschrift Von der allgemeinen Medizin zur Allgemeinmedizin (herausgegeben 2016 von Prof. Frank H. Mader).

Positionen

Primärversorgungssystem: Gibt es genug Hausärzte?

Endlich bekommt die Einführung eines Primärversorgungssystems auch in Deutschland politischen Rückenwind. Aus gutem Grund: International liegen seit vielen Jahren gute Belege dafür vor, dass ein Primärversorgungssystem die Versorgung verbessert, Krankenhauseinweisungen reduziert und die Kosten senkt.

In die Debatte über eine hausärztlich zentrierte Versorgung mischen sich aber auch kritische Töne, zum Beispiel, dass es nicht ausreichend Hausärztinnen und Hausärzte gebe.

Effiziente Nutzung der Ressorucen

Mit einem neuen Positionspapier widerspricht die DEGAM: „Es sind genug Hausärztinnen und Hausärzte für ein Primärversorgungssystem vorhanden – unter der Voraussetzung, dass wir unnötige Arbeitsbelastungen reduzieren (schlanke Bürokratie!), dass wir die ärztliche Arbeitszeit für qualitativ hochwertige Versorgung („High Value Care“) nutzen und außerdem klar definierte Aufgaben an andere Gesundheitsberufe abgeben“, erläutert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.

Die DEGAM fordert zudem eine kritische Auseinandersetzung darüber, dass es aktuell ärztliche Tätigkeiten gibt, die wenig Nutzen für die gesundheitliche Versorgung haben und vergleichsweise viel Zeit binden. Auch beim Thema Übernahme von Tätigkeiten können vorhandene Ressourcen besser genutzt werden. Die DEGAM fordert daher, über die Vergütung finanzielle Anreize zu setzen, um die Ausführung von Tätigkeiten durch nichtärztliches Fachpersonal zu stärken.

Aus den Initiativen

Workshop zum Leeren Sprechzimmer im April 2026

Das Erinnerungsprojekt „Das leere Sprechzimmer“ der DEGAM gedenkt der Zeit des Nationalsozialismus aus Sicht des ambulanten Gesundheitswesens.

2026 widmen wir uns dem selten betrachteten Thema der Zwangsarbeit in der NS-Zeit und der Rolle der Ärzteschaft (in Südniedersachsen). Dabei wollen wir drei Perspektiven beleuchten:

  • Zwangsarbeit im Gesundheitswesen
  • Zwangsarbeiter:innen als „medizinische Lehr- und Forschungsobjekte“
  • Zwangsarbeiter:innen als Patient:innen

Einladung zum Workshop

Wir laden interessierte Studierende sowie Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung herzlich ein, an einem Workshop (10. bis 12. April 2026, Heimvolkshochschule Mariaspring in Bovenden-Rauschenwasser bei Göttingen) teilzunehmen. Kost und Logis sind frei.

Der Workshop ist sehr offen gestaltet. Die Ergebnisse des Wochenendes werden auf dem DEGAM-Jahreskongress vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Göttingen vorgestellt.

Ihr seid interessiert? Dann meldet euch gern online an: https://eveeno.com/286305490

Kontakt für Rückfragen: susanne.heim@med.uni-goettingen.de

DEGAM-Podcast

Neue Podcast-Episoden zur Allgemeinmedizin

Von beiden Podcasts, die die DEGAM (mit-)auflegt, gibt es neue Episoden:

ZFA TALKS: Die vier Säulen der Migränetherapie

Migräne - für viele der Betroffenen ein echter Alptraum. In der neuen ZFA TALKS-Folge erklärt Hausarzt und Migräneforscher Dr. Lukas Becker, was laut Leitlinien wirklich hilft – und was eher nicht.

Alle DEGAM-Mitglieder hören den Podcast (nach Registrierung) bei Springer Medizin kostenlos. Alle anderen können die ZFA TALKS zugangsfrei auf allen gängigen Podcast-Plattformen hören.

EvidenzUpdate: vier neue Folgen

Hier hören Sie die aktuellen Folgen des EvidenzUpdates zu verschiedenen Screening-Programmen sowie zur neuen DEGAM-Leitlinie Schwindel:

 

Networking

DGSMP-Workshop beim Jahreskongress

Unser Büro- und Kongresspartner DGSMP (Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention) sucht Menschen, die sich an einem Workshop zur medizinischen Versorgung von polnischen Arbeitsmigrant:innen ("Live-in-Betreuer:innen") beteiligen möchten. Der Workshop findet im Rahmen des DEGAM-Kongresses in Göttingen statt.

Interessierte Allgemeinärztinnen und -ärzte gesucht

Zusammen mit interessierten Allgemeinmediziner:innen möchten wir einen Workshop zur Verbesserung der präventiven und kurativen Versorgung von polnischen Live-In-Betreuer:innen durchführen. Wir suchen interessierte (und möglicherweise bereits in der medizinischen Versorgung von Arbeitsmigrant:innen tätige) Allgemeinärzt:innen, die sich daran beteiligen möchten. Der Workshop soll auf dem gemeinsamen Jahreskongress von DEGAM, DGSMP, DGSM und EbM-Netzwerk (vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Göttingen) stattfinden.

Interessent:innen bitte melden bei Melanie Schubert (melanie.schubert@tu-dresden.de) und Andreas Seidler (andreas.seidler@tu-dresden.de)! Mehr Infos hier online.

Zum Projekt

Das Ziel des Projektes ist es, zur Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen polnischer Pflegekräfte beizutragen, die in deutschen Privathaushalten leben und arbeiten (sogenannte Live-ins). Zum Stand: Es wurden bereits qualitative Befragungen von Live-in-Pflegekräften und Expert:innen zu den Arbeitsbedingungen sowie zum aktuellen Stand der arbeitsmedizinischen Versorgung durchgeführt.

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Arbeitsverträge häufig unzureichend sind und kaum Schutz bieten. Vermittlungsagenturen umgehen oftmals rechtliche Verpflichtungen, Scheinselbstständigkeit ist weit verbreitet. Viele Live-in-Pflegekräfte kennen ihre Rechte nicht oder können diese nicht durchsetzen und sind häufig unsicher über ihr jeweiliges Beschäftigungsmodell. Insgesamt haben Live-in-Pflegekräfte kaum Zugang zu arbeitsmedizinischen bzw. insgesamt präventivmedizinischen Leistungen.

Mehr Infos gibt es bei der TU Dresden online.

Internationales

Primary Health Care Studiengang in Graz

Im Wintersemester 2026/27 startet der zweite Durchgang des berufsbegleitenden Universitätslehrgangs „Primary Health Care“ (Master of Science) an der Medizinischen Universität Graz.

Der Universitätslehrgang integriert methodisches und praktisches Wissen aus unterschiedlichen Disziplinen, die für die Primärversorgung relevant sind. Ziel ist es, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein handlungsgeleitetes Wissen und umfassende Kompetenzen im Bereich „Primary Health Care“ (PHC) zu vermitteln. Ein wesentlicher Bestandteil des Programms ist der interprofessionelle Austausch innerhalb der Teilnehmergruppe.

Zielgruppen & Basics

Der Lehrgang richtet sich nicht nur an Ärztinnen und Ärzte, sondern u.a. auch an Angehörige pflegerischer, therapeutischer und sozialer Berufsgruppen - und ist auch für Interessierte aus Deutschland gut realisierbar, da er berufsbegleitend angeboten wird (6 Semester und in 7 Modulen). Einzelne Module können als individuelle Weiterbildung gebucht werden. Die Lehrveranstaltungen finden hauptsächlich in Graz statt.

Mehr erfahren?

Mehr Infos zum Studiengang gibt es bei der Med Uni Graz online.

Außerdem gibt es für Interessierte am 28. Mai 2026 um 18.30 Uhr ein Webinar, um offene Fragen zu klären. Bitte melden Sie sich per Mail an: primary-care@medunigraz.at.