DEGAM aktuell: Newsletter Juli 2026

Liebes DEGAM-Mitglied, liebe Kollegin, lieber Kollege,

heiße politische Tage liegen hinter uns – und weitere noch vor uns. Während die Abstimmungen zum geplanten Primärversorgungsgesetz eher im Hintergrund laufen, hat die Bundesregierung an anderen Stellen für viel (unnötigen) Wirbel gesorgt.

Der Koalitionsausschuss hat beschlossen, die Regeln für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen drastisch zu verschärfen. Künftig gilt: Krankschreibung ab dem ersten Tag und Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Das Entsetzen ist groß – zu Recht. Auch die DEGAM kritisiert die Pläne als völlig unsinnig: Noch vollere Wartezimmer belasten Hausarztpraxen, die sowieso schon am Limit sind, fördern Infektionen und gefährden dadurch chronisch kranke Menschen.

Ähnlich problematisch zeigt sich die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung: Das GKV-Sparpaket wurde letzte Woche im Eiltempo und gegen große Widerstände beschlossen – ohne ausreichende fachliche Debatte und mit fragwürdiger Verteilung der Belastungen. Versicherte, Kliniken und Praxen zahlen, während etwa die Pharmaindustrie vergleichsweise ungeschoren bleibt. Mehr in unserer aktuellen Pressemitteilung.

Als DEGAM werden wir diese Entwicklungen weiterhin kritisch begleiten und uns klar für zukunftsfähige und nachhaltige Lösungen einsetzen. Dazu finden Sie neue Inhalte zum Primärversorgungssystem auf unserer Website.

Mit besten Grüßen

Ihre  
Eva Hummers (Präsidentin)
Jutta Bleidorn (Vizepräsidentin)
Marco Roos (Vizepräsident)

Kongresse

Neues zum DEGAM-Kongress

Nur noch rund 10 Wochen bis zum Kongress „Gesundheit gestalten“ vom 30. September bis 2. Oktober 2026 in Göttingen. Zu einigen Themen gibt es neue Entwicklungen, die Sie sich notieren sollten: Teilnahme an Workshops, neue Formate, Bewerbung für Posterpreise und Verleihung von Ehrungen.

Teilnahme an Workshops

Bitte beachten Sie, dass Sie sich in diesem Jahr für die Workshops, an denen Sie teilnehmen möchten, im Vorfeld anmelden müssen. Der Hintergrund ist, dass wir rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erwarten, so dass es nicht möglich sein wird, sich spontan vor Ort zu entscheiden.

Wenn Sie sich registrieren, geben Sie bitte die Workshops an, an denen Sie teilnehmen möchten. Falls Sie sich bereits registriert haben, können Sie die Auswahl der Workshops mit Ihrem Passwort in Ihrem Profil mit diesem Link nachtragen.

Neue Formate beim Kongress

2026 wird es neue spannende Formate im Kongressprogramm geben:

•    Junge Perspektiven

Mit dem neuen Format „Junge Perspektiven“ möchten wir vor allem den forschenden Nachwuchs ansprechen. Für diese spezielle Zielgruppe sind die Jungen Perspektiven ein passendes Forum und bieten einen geeigneten Rahmen, um den Austausch untereinander zu fördern und die Bandbreite aktueller wissenschaftlicher Arbeiten innerhalb der Fachgesellschaften darzustellen.

Die Beiträge der Jungen Perspektiven werden als Workshops, Führungen, Vorträge oder Postersessions präsentiert. Mehr Infos online: Sonderformate - Gemeinsame Jahrestagung

•    Bürger:innentag

Wie wollen wir Gesundheit morgen gestalten? Wie kann Partizipation in der Medizin und auch in der Forschung gelingen? Beim erstmals geplanten Bürger:innentag (1. Oktober 2026) kommen Menschen aus Praxis und Forschung zusammen, um gemeinsam Antworten zu finden. Wir laden interessierte Bürger:innen und Patient:innen herzlich zu diesem praktisch-wissenschaftlichen Austausch ein!

Angeboten werden Workshops, Forschungswerkstätten und Kurz-Vorträge. Unser Ziel ist es, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und Gesundheit gemeinsam weiterzudenken – im direkten Austausch zwischen Bürger:innen, Patient:innen und Wissenschaftler:innen. Mehr Infos online: Sonderformate - Gemeinsame Jahrestagung

•    Meet the Editor

„Meet the Editor“ ist ein ebenfalls neues Format, um die Kontaktanbahnung zwischen dem Nachwuchs und wissenschaftlichen Journals zu fördern. Dafür stellen sich Herausgeberinnen und Herausgeber der Journals von beteiligten Fachgesellschaften vor und erklären, welche Arten von Beiträgen gesucht werden. Ein wichtiger Schwerpunkt liegt dabei auf häufigen Fallstricken und typischen Fehlern bei Einreichungen. Außerdem werden Einblicke in den Review-Prozess gegeben und Impulse vermittelt, wie Manuskripte optimal strukturiert und argumentiert werden sollten.

Die Veranstaltung richtet sich besonders an Nachwuchswissenschaftler:innen, die ihre ersten Publikationen planen oder die bereits erste Kontakte geknüpft haben, aber auch an erfahrene Forschende, die ihre Publikationsstrategie optimieren möchten.

Mehr Infos online: Sonderformate - Gemeinsame Jahrestagung

•    Ehrungen im Kongressprogramm

In diesem Jahr werden die DEGAM-Ehrungen wieder im Rahmen der Mitgliederversammlung der DEGAM am Mittwoch, 30. September 2026, um 18 Uhr, verliehen.

•    Bewerbungen für Posterpreise (bis 6. September 2026!)

Wichtige Information für alle, die Poster eingereicht haben und angenommen wurden: Um am Wettbewerb für die besten wissenschaftlichen Poster teilzunehmen, schreiben Sie bitte bis zum 6. September 2026 eine formlose Mail und erläutern kurz, was Ihr Poster besonders auszeichnet: allgmed1@gwdg.de.

Die Posterpreise werden im Rahmen der Abschlussveranstaltung des Kongresses am 2. Oktober 2026 verliehen. Die Hauptposterpreise sind wie folgt dotiert: 1.000 Euro / 500 Euro / 250 Euro.

Für die Jungen Perspektiven gibt es eigene Posterpreise in Höhe von 300 / 200 und 100 Euro.

ZFA-Highlights

ZFA-Artikel: Junge Eltern am Handy

Wenn es um problematisches Nutzungsverhalten am Smartphone geht, stehen oft Kinder und Jugendliche im Fokus. Aber was ist mit (jungen) Eltern, die mehr auf ihr Handy als auf ihr Baby achten? Im ZFA-Artikel „Kleiner Bildschirm – große Wirkung“ werden die Effekte auf das Beziehungsverhalten untersucht.

Thema des Artikels

Unter jungen Eltern ist die Smartphone-Nutzung allgegenwärtig – auch im Beisein des Kindes. Dies kann Aufmerksamkeit entziehen und soziale Interaktion abrupt unterbrechen. Säuglinge und Kleinkinder sind jedoch auf verfügbare Bezugspersonen angewiesen, um ihre körperlichen und emotionalen Bedürfnisse zu befriedigen. Elterliche Aufmerksamkeit ist erforderlich, um Kommunikationssignale des Kindes wahrnehmen, richtig interpretieren und angemessen darauf eingehen zu können.

Smartphone-Nutzung und kindliche Stressreaktionen

Im Beitrag gehen die Autor:innen der Frage nach, wie sich die Smartphone-Nutzung von Müttern auf physiologische und verhaltensbezogene Stressreaktionen von Säuglingen und Müttern auswirkt. Im Ergebnis zeigt sich, dass eine häufige Smartphone-Nutzung signifikant mit vermehrter Unruhe und negativer Affektivität beim Säugling assoziiert war. Feinfühligkeit und Responsivität in der Mutter-Kind-Interaktion waren reduziert: Säuglinge zeigten vermehrt Protestverhalten, die Herzfrequenz war erhöht.

Seitens der Mütter war der reduzierte soziale Kontakt zum Baby während der Smartphone-Nutzung begleitet von erhöhter parasympathischer Aktivität, verminderter Herzfrequenz und reduzierter physiologischer Erregbarkeit, die auch bei Wiederhinwendung zum Kind erniedrigt blieb.

Weitere Ergebnisse der Studie finden Sie im ZFA-Beitrag auf der Journal Website unseres Verlages und Kooperationspartners Springer Medizin.

Bitte beachten Sie, dass Sie sich (einmalig) bei Springer Medizin registriert haben müssen, um die ZFA online lesen zu können. Hier können Sie sich als DEGAM-Mitglied bei Springer registrieren: www.springermedizin.de/register


Angaben zur Publikation:
Dinzinger A, Greif E, Speyer L et al. (2025) Tiny screens, big impact: effects of maternal smartphone use on maternal and infants’ physiological and behavioral stress and interaction dynamics.

Sektionen

Neues aus der Sektion Weiterbildung

Um die allgemeinärztliche Facharztweiterbildung strukturiert, transparent und praxisnah zu gestalten, hat die DEGAM vor einigen Jahren den Leitfaden „Kompetenzbasiertes Curriculum Allgemeinmedizin“ (KCA) entwickelt.

Die Sektion Weiterbildung unter Leitung von PD Dr. Simon Schwill, MME (Heidelberg) und Dr. Ulrike Sonntag (Berlin) arbeitet derzeit an der Aktualisierung des KCA. Es dient als Grundlage für regelmäßige Weiterbildungsgespräche und beschreibt die zentralen Kompetenzen, die im Rahmen der allgemeinmedizinischen Weiterbildung erworben werden sollen. Das KCA macht den aktuellen Kompetenzstand für Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung (ÄiW) und deren Weiterbildungsbefugte transparent und unterstützt einen strukturierten Kompetenzaufbau in der Praxis.

Mit dem KCA lassen sich auf Basis von Selbst- und Fremdeinschätzungen Entwicklungspotenziale erkennen, Lernziele festlegen und Weiterbildungsabschnitte gezielt planen. So trägt der Leitfaden zu einer fokussierten und effizienten Weiterbildung bei – insbesondere auch für ÄiW, die sich später für die Allgemeinmedizin entscheiden oder als Quereinsteiger in das Fach wechseln.

Was und warum wird überarbeitet?

Vor dem Hintergrund sich wandelnder Anforderungen an die hausärztliche Versorgung – etwa im Kontext eines hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystems – wird das KCA derzeit von der Sektion Weiterbildung überarbeitet. Ziel ist es, neue Themen wie Digitalisierung und Klimawandel zu integrieren und zugleich die praktische Anwendbarkeit weiter zu verbessern, damit es weiterhin als hilfreiches Instrument im Weiterbildungsalltag genutzt werden kann.

Der Überarbeitungsprozess startete im Februar 2026 und wird von einer Steuerungsgruppe begleitet. Auch beim Arbeitstreffen der Sektion Weiterbildung am 19. Mai 2026 in Lübeck wurde intensiv an der Weiterentwicklung des KCA gearbeitet. Wir berichten weiter.

Die aktuelle Fassung des KCA finden Sie online bei der Sektion Weiterbildung auf der Website der DEGAM.

DEGAM-Arbeitsgruppen

Neues aus der AG Soziale Gesundheit

Social Prescribing live erleben: Am 17. September 2026 findet die 3. Deutsche Social Prescribing Konferenz erstmals in Präsenz auf dem Charité Campus Berlin-Mitte statt – mit Beteiligung unserer DEGAM-AG Soziale Gesundheit. Die Konferenz bietet: Workshops, Austausch und viele neue Impulse für eine sozialraumorientierte Gesundheitsversorgung. Die Teilnahme ist kostenlos.

Ziel der Konferenz ist es, zentrale Akteur:innen aus Gesundheitswesen, Kommunen, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Praxis zusammenzubringen, um Social Prescribing als wirksamen Ansatz für integrierte, sozialraumorientierte Gesundheitsversorgung weiterzuentwickeln.
Nach zwei erfolgreichen digitalen Konferenzen bietet das Präsenzformat erstmals Raum für vertieften fachlichen Austausch, praxisnahe Workshops, Netzwerkbildung und die Stärkung nachhaltiger Kooperationen.

Die Konferenz beginnt am 17. September 2026 um 9 Uhr und endet gegen 17 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos.
Weitere Infos zum Programm und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es online.

 

Umfragen

Umfrage zu Nationalen Versorgungsleitlinien

Ihre Erfahrung zählt! Die DEGAM bittet Sie herzlich, dazu beizutragen, die Nationalen Versorgungsleitlinien noch praxisnäher zu gestalten. Beteiligen Sie sich gerne zahlreich an einer Online-Umfrage und teilen Sie Ihre Wünsche und Perspektiven, damit die Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen weiter verbessert werden kann.

Hier geht es zur Umfrage (5 bis 10 Minuten).

Zeitgleich werden auch Patientinnen und Patienten befragt, um deren Erfahrungen und Anregungen in der Leitlinienarbeit besser berücksichtigen zu können. Auch dabei bitten wir sie herzlich um Ihre Unterstützung.

Hier geht es zur Patientenumfrage.

DEGAM-Podcasts

EvidenzUpdate: WONCA-Reisetagebuch

Kürzlich fand in Paris die diesjährige WONCA Europe Konferenz statt. Alle, die nicht dabei sein konnten, können nachträglich hörend teilnehmen: DEGAM Past-Präsident Prof. Martin Scherer berichtet im Podcast EvidenzUpdate live aus Paris und vom Kongressgeschehen.

„Der Reiz liegt im Vernetzen, im Spinnen internationaler Ideen und im Lernen von anderen Gesundheitssystemen. Und das alles komplett ohne Pharma- oder Gesundheitsindustrie“, kommentieren Martin Scherer und Medizinjournalist Denis Nößler im EvidenzUpdate-Reisetagebuch.

In mehreren sehr kurzweiligen Folgen widmen sich die beiden Diskutanten einigen der sieben Themencluster, die das diesjährige Kongressprogramm ausmachen:

  • Equity, vulnerable Gruppen, Global & Planetary Health
  • Digitalisierung / KI
  • Forschungsmethoden
  • Aus- und Weiterbildung & Professional Wellbeing
  • Multimorbidität/Priorisierung
  • „Less is more“/ Overuse

Zur Erinnerung: WONCA Europe ist die europäische Fachgesellschaft für Allgemeinmedizin und der europäische Zweig der Weltorganisation der allgemeinmedizinischen Fachgesellschaften WONCA, auch die DEGAM ist Mitglied. WONCA-Europe-Präsident ist aktuell Prof. Thomas Frese aus Halle.

Alle Episoden können kostenfrei auf der Podcast-Website (oder auf allen gängigen Plattformen) angehört werden.