DEGAM aktuell: Newsletter Oktober 2026

Liebes DEGAM-Mitglied, liebe Kollegin, lieber Kollege,

was für intensive Wochen liegen hinter der DEGAM! Zuerst Ende September unser erster Parlamentarischer Abend, den wir zum politischen Austausch zum Thema Primärversorgungssystem durchgeführt haben. Wir konnten an diesem Abend unseren Anspruch untermauern, unsere wissenschaftliche Expertise in die Beratungen rund um das geplante Gesetz einfließen zu lassen. Hier kommen Sie zum Rückblick auf den Parlamentarischen Abend.

Und gleich eine Woche später folgte der große Kongress „Gesundheit gestalten – gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ mit drei weiteren Fachgesellschaften in Göttingen. Um es kurz zu machen: Der Kongress hat gezeigt, dass zukunftsfähige Gesundheitsversorgung nur interdisziplinär und evidenzbasiert gelingt. Hier finden Sie den Kongress-Rückblick.

Wer noch mehr lesen will: Unser Medienpartner Ärzte Zeitung hat viele Themen des Kongresses in einer digitalen Kongress-Ausgabe vertieft.

Mit besten Grüßen
Ihre  

Eva Hummers (Präsidentin)
Jutta Bleidorn (Vizepräsidentin)
Marco Roos (Vizepräsident)

DEGAM-Kongress

Göttinger Kongress: Zwischen Evidenz, Versorgung & Gesellschaft

Drei Tage, vier Fachgesellschaften und rund 1.700 Teilnehmende: Der Kongress „Gesundheit gestalten – gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ ist am 2. Oktober in Göttingen mit großem Applaus zu Ende gegangen.

Erstmalig hatte die DEGAM ihren traditionellen Jahreskongress gemeinsam mit drei weiteren medizinischen Fachgesellschaften veranstaltet. Dabei waren:

  • Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP)
  • Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS)
  • Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk)

Während des Kongresses hat sich gezeigt, wie sehr sich die Perspektiven der vier Fachgesellschaften unterscheiden – und wie gut sie sich zugleich ergänzen. Deutlich wurde: Wir wollen Gesundheit gestalten – und die Herausforderungen, vor denen unser Gesundheitssystem steht, gemeinsam angehen.

Politische Debatte zum Auftakt

Den Auftakt bildete eine vielfältig besetzte Podiumsdiskussion: Prof. Eva Hummers (DEGAM) als Gastgeberin, Prof. Nicole Skoetz (EbM-Netzwerk), Prof. Lena Ansmann (DGMS) und Prof. Christian Apfelbacher (DGSMP) diskutierten mit dem Niedersächsischen Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi, der Präsidentin der Landesärztekammer Niedersachsen, Dr. Marion Renneberg, und der Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Nicola Buhlinger-Göpfahrt.

Im Mittelpunkt des lebendig geführten Austausches standen Fragen, die für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung entscheidend sind: Wie lässt sich Gesundheit wirksam fördern? Wie können soziale Determinanten stärker berücksichtigt werden? Und wie gelingt eine evidenzbasierte, patientenorientierte Versorgung?

Umfassendes Programm mit besonderen Akzenten

Diese und viele verknüpfte Fragen prägten das Kongressprogramm. In 40 Vortragsbeiträgen, 30 Symposien, zahlreichen Postersessions und über 40 Workshops ging es unter anderem um die Weiterentwicklung der Primärversorgung und der Verhältnisprävention sowie um Fragen zur sozialen Ungleichheit. Der Austausch war interdisziplinär, offen und manchmal auch kontrovers – also genauso, wie es auf einem wissenschaftlichen Kongress sein soll.

Spannende Key Note von Prof. Martin Scherer

„Gesundheit gestalten – zwischen Medizinoverkill, verpasster Verhältnisprävention und verschleppten Reformen“: In seiner Key Note ging DEGAM-Past-Präsident Prof. Martin Scherer darauf ein, wie sich Überversorgung reduzieren lässt und was sinnvollerweise nicht Bestandteil der medizinischen Versorgung sein sollte. Auch der Live-Diskussion aus der Reihe „EvidenzUpdate“ bot ein hochinteressantes Gespräch über Priorisierung im Gesundheitswesen und diskutierte die Frage, was es braucht, um Bestehendes kritisch zu reevaluieren

"Bürger:innentag“ als neues Format

Erstmals fand im Rahmen des DEGAM-Kongresses außerdem ein Bürger:innentag statt. Mitglieder von Bürger-Beiräten und Patientenvertretungen diskutierten in drei parallelen Sessions, wie Erfahrungen und Perspektiven von Patient:innen und Bürger:innen künftig stärker in Forschung und Gesundheitsversorgung einbezogen werden können: Nur so können Forschungsvorhaben intensiver an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der hausärztlichen Praxisteams ausgerichtet werden.

Drei Tage, hunderte Beiträge – unzählige Impulse

Neben den großen Debatten prägten wissenschaftlicher Austausch, konstruktive Diskussionen und zahlreiche Gespräche über Fach- und Disziplingrenzen hinweg die drei Kongresstage. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs war stark vertreten, unter anderem im besonderen Kongress-Schwerpunkt „Junge Perspektiven“.

Jetzt gilt es, die vielen Impulse aus Göttingen in den Alltag und in die weitere Arbeit mitzunehmen. Wenn wir unsere Kompetenzen und unser Engagement bündeln und der wissenschaftliche Nachwuchs diesen Weg mitgeht, können wir gemeinsam viel bewegen!

Ärzte Zeitung berichtet umfangreich

Der Medienpartner Ärzte Zeitung hat live vom Kongress berichtet. Hier kommen Sie zur digitalen Kongress-Zeitung (für einige Beiträge mit explizit medizinischer Ausrichtung müssen Sie sich als Angehörige von Heilberufen vorab anmelden): DEGAM-Kongresse

Positionen

„Göttinger Erklärung“ zu Cochrane Deutschland

Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung braucht unabhängige wissenschaftliche Expertise, darüber sind sich in der Regel alle einig. Umso irritierender muten die Pläne des Bundeministeriums für Gesundheit (BMG) an, die Förderung für die Cochrane Deutschland Stiftung zu streichen. Die Arbeit der Stiftung wurde bisher vom BMG mit rund 1,3 Millionen Euro jährlich unterstützt.

Gemeinsam mit drei weiteren Fachgesellschaften kritisiert die DEGAM die Pläne zur Streichung der Förderung in der „Göttinger Erklärung“ aufs Schärfste. Die Erklärung wurde im Rahmen des Kongresses „Gesundheit gestalten“ gemeinsam entwickelt.

Die drei weiteren beteiligten Fachgesellschaften sind: Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk).

Das geplante Aus für die Förderung sendet ein fatales Signal für die evidenzbasierte medizinische Versorgung in Deutschland. „Wer evidenzbasierte Gesundheitsversorgung ernst nimmt, darf nicht ausgerechnet dort sparen, wo unabhängige wissenschaftliche Erkenntnisse für die Versorgung aufbereitet und zugänglich gemacht werden“, heißt es dazu in unserer aktuellen Pressemitteilung.

Zum Hintergrund

Die Cochrane Deutschland Stiftung nimmt eine wichtige Vermittlerfunktion zwischen internationaler medizinischer Forschung und der Versorgung hierzulande ein. Cochrane Deutschland bereitet internationale Forschungsergebnisse für Ärztinnen und Ärzte, andere Gesundheitsberufe sowie Patientinnen und Patienten verständlich auf. Die systematischen Übersichtsarbeiten helfen dabei, Nutzen und Risiken medizinischer Maßnahmen realistisch einzuschätzen. Zugleich macht Cochrane sichtbar, wo Wissen fehlt oder die vorhandene Evidenz nicht ausreicht.

Aus Sicht der DEGAM ist es deshalb nicht nachvollziehbar, die Förderung auslaufen zu lassen: Diese Förderung ist keine freiwillige Zusatzleistung, auf die man angesichts angespannter Haushalte einfach verzichten kann. Sie ist eine Investition in die Qualität und Effizienz unserer Gesundheitsversorgung: „Wir brauchen nicht weniger, sondern eher mehr Wissen darüber, was nachweislich wirkt und was den Menschen tatsächlich nutz“, so DEGAM-Präsidentin Prof. Eva Hummers.

Hier geht es zur Göttinger Erklärung.

Sektionen

Neue Sprecherin für die Sektion Fortbildung

Willkommen im Gesamtpräsidium der DEGAM! Wir freuen uns, Dr. med. Louisa Hecht als neue stellvertretende Sprecherin der DEGAM-Sektion Fortbildung und neues Mitglied im Gesamtpräsidium willkommen zu heißen.

Mit ihrem Engagement und ihrer Expertise wird Louisa Hecht die Weiterentwicklung der Fortbildung in der Allgemeinmedizin mitgestalten und wichtige Impulse für die Arbeit der DEGAM setzen. Wir wünschen ihr einen guten Start und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Hier geht es zum Profil von Louisa Hecht auf der DEGAM-Website.

DEGAM-ForNet

Bürger:innentag beim Göttinger Kongress

Wie können Bürger:innen Gesundheitsforschung mitgestalten? Antworten darauf gab der erste Bürger:innentag am 1. Oktober 2026 beim Kongress „Gesundheit gestalten – gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ in Göttingen. Austausch, Beteiligung und gemeinsame Ideen standen im Mittelpunkt.

Der Bürger:innentag wurde mit Fördermitteln des Bundesministeriums für Forschung, Technik und Raumfahrt (BMFTR) über die Koordinierungsstelle für die Initiative DEGAM-ForNet finanziert.

Neue Zielgruppen, neue Perspektiven

Eingeladen waren interessierte Bürgerinnen, Bürger, Patientinnen und Patienten – unabhängig davon, ob sie bereits in einem Forschungs- oder einem Patientenbeirat aktiv sind. Sie hatten Gelegenheit, sich über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse aus der Gesundheitsforschung zu informieren, mit Forschenden und anderen Bürgerinnen und Bürgern, Patientinnen und Patienten ins Gespräch zu kommen und ihre Erfahrungen einzubringen. Insgesamt nahmen 29 Personen teil.

Vielfältige Programmschwerpunkte

Das Tagesprogramm griff vielfältige Themen der Gesundheitsforschung auf: Zwei Sitzungen mit Vorträgen und drei Sitzungen mit Posterpräsentationen zeigten anhand konkreter Beispiele, wie die Beteiligung an Forschungsprojekten durch Bürgerinnen und Bürger gestaltet sein kann. Darüber hinaus wurden aktuelle Forschungsergebnisse vorgestellt.

Das Programm spannte einen Bogen von Gesundheitsversorgung und Prävention über die Vielfalt individueller Unterstützungsbedarfe bis hin zur sicheren und selbstständigen Gestaltung der eigenen Gesundheit. Ergänzend boten interaktive Workshops den Teilnehmenden Raum, aktiv die eigenen Erfahrungen einzubringen und sich auszutauschen, beispielsweise im Hinblick auf das Absetzen von Medikamenten oder zur Mitarbeit in Beiräten und Forschungsprojekten.

Vorbereitungen für nächstes Jahr

In einem Abschlussworkshop reflektierten die Teilnehmenden den Tag. Besonders hervorgehoben wurde der bereichernde Austausch zwischen Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Deutschland. Gemeinsam entwickelten die Teilnehmenden Ideen für zukünftige Bürger:innentage: mehr Raum für vertiefte Diskussionen, eine stärkere Verbindung mit dem Gesamtkongress und eine frühzeitige Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an der Planung. Diese Anregungen liefern wertvolle Impulse für die Weiterentwicklung des Formats und fließen unter anderem in die Planungen des nächsten Bürger:innentages ein, der als Teil des DEGAM-Kongresses im September 2027 in Augsburg stattfinden wird.

Junge Allgemeinmedizin

Neuer Vorstand für die JADE

Die junge Allgemeinmedizin gestaltet die Zukunft mit: Beim Kongress „Gesundheit gestalten“ wurde der neue JADE-Vorstand gewählt. Wir gratulieren herzlich und freuen uns auf neue Impulse, ein lebendiges Miteinander und gemeinsame Schritte für eine starke Allgemeinmedizin.

Die JADE bringt die Perspektiven von Medizinstudierenden, Ärzt:innen in Weiterbildung und jungen Fachärzt:innen in die Weiterentwicklung der Allgemeinmedizin ein und leistet damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft unseres Fachs.

Besonders freuen wir uns über die Fortsetzung der engen Verbindung zur DEGAM: Dr. med. Catharina Escales MMHE wurde als erste DEGAM-Kontaktperson im Amt bestätigt, Dr. med. Lukas Stini übernimmt die Funktion der zweiten DEGAM-Kontaktperson.

Im Bild der neue Vorstand von links nach rechts:

  • Tobias Langer – Vorstand für Weiterbildung
  • Dr. med. Lukas Stini – zweite DEGAM-Kontaktperson
  • Dr. med. Anna Schmid – Vorstand für junge Fachärzt*innen
  • Dr. med. Anahita Paula Rassoulian – Vorstand für Öffentlichkeitsarbeit / Presseanfragen
  • Prof. Dr. med. Fabian Dupont, MHPE – Vorstand für Internationale Zusammenarbeit
  • Svenja Gruß – Vorstand für Netzwerk & Regionalgruppen

Auf dem Foto fehlt: Dr. med. Catharina Escales MMHE.

Dem gesamten neu gewählten Vorstand wünschen wir viel Erfolg, Freude und Gestaltungskraft für die kommenden Aufgaben und freuen uns auf den weiteren generationenübergreifenden Austausch.

Weitere Infos zur JADE: www.jungeallgemeinmedizin.de.

Foto: Christoph Ludwig/Düsseldorf

DESAM

Jetzt bewerben: Nachwuchsakademie 2027

Gerne weitersagen: Die Bewerbung für die Nachwuchsakademie Allgemeinmedizin 2027 ist geöffnet. Engagierte Medizinstudierende können sich ab sofort für das bundesweit einzigartige Förderprogramm der DESAM bewerben. Bewerbungsschluss ist der 3. Januar 2027.

Wie profitieren die Teilnehmenden?

Über drei Jahre erhalten die Teilnehmenden die Möglichkeit, unterschiedliche Facetten der Allgemeinmedizin kennenzulernen, sich mit erfahrenen Hausärztinnen und Hausärzten auszutauschen und ein nachhaltiges Netzwerk aufzubauen.

Zum Programm gehören unter anderem Klausurwochenenden, die Teilnahme am DEGAM-Kongress, digitale Angebote sowie auf Wunsch ein individuelles Mentoring.

Die Studierenden lernen verschiedene Karrierewege in Praxis, Lehre und Forschung kennen und vernetzen sich mit Gleichgesinnten aus ganz Deutschland.

Wir freuen uns, wenn Sie die Ausschreibung in Ihren Lehrveranstaltungen, über institutsinterne Verteiler oder auf anderen geeigneten Wegen weitergeben.

Bewerbungsschluss für den Jahrgang 2027 ist der 3. Januar 2027. Weitere Informationen zur Bewerbung finden Sie hier.