Keine Resilienz ohne Allgemeinmedizin!

20. März 2024

Mit Befremden nimmt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur Kenntnis, dass die evidenzbasierte Allgemeinmedizin im neu berufenen Expertenrat „Gesundheit und Resilienz“, der am Kanzleramt angesiedelt ist, nicht vertreten ist. Damit haben die Hausärztinnen und Hausärzte als größte medizinische Berufsgruppe, die sich Tag für Tag für die Gesundheit der breiten Bevölkerung einsetzt, in einem nationalen Beratergremium erneut keine Stimme.

Das Kanzleramt hat mit dem Expertenrat „Gesundheit und Resilienz“ ein neues Expertengremium berufen. Das Gremium soll die Politik zu wichtigen Gesundheitsfragen und zum Umgang mit Gesundheitskrisen – auch ad hoc – beraten. Kürzlich sind die 23 Mitglieder (und einige ständige Gäste) zur konstituierenden Sitzung in Berlin zusammengekommen. Die Runde folgt auf den bisherigen Corona-Expertenrat. Auffällig ist, dass die Allgemeinmedizin erneut nicht vertreten ist.

Stimme der Hausärzt:innen fehlt

„Niemand befasst sich so umfassend mit der Gesundheit der breiten Bevölkerung wie Hausärztinnen und Hausärzte. Deshalb ist es für uns unverständlich, dass gerade diese ärztliche Fachgruppe in einem Expertenrat, der die Politik in allgemeinen Gesundheitsfragen und insbesondere zur Förderung von Resilienz beraten soll, nicht vertreten ist. Damit fehlen nicht nur die Erfahrungen aus der hausärztlichen Praxisrealität, sondern auch Input und Einordnung wissenschaftlicher Ergebnisse aus der Allgemeinmedizin“, kritisiert Prof. Martin Scherer, Präsident der DEGAM.

Schon im sogenannten Corona-Expertenrat (2021 bis 2023) war die Allgemeinmedizin nicht vertreten. Nun wird diese Fehlentwicklung fortgeschrieben: „Ohne die Stimme der hausärztlichen Medizin wird eine echte Chance vertan, wenn es darum geht, gesundheitspolitische Entscheidungen auf eine breite praktisch-wissenschaftliche Basis zu stellen“, so Martin Scherer weiter.

Aus der Pandemie lernen: Resilienz stärken

Der Expertenrat soll die Politik in erster Linie beraten, wie das Gesundheitswesen resilienter gemacht werden kann. Dazu hat die DEGAM bereits im letzten Sommer zehn Erkenntnisse unter dem Titel Lessons learned aus der Pandemie vorgestellt. „Die Pandemie hat unserer Gesellschaft alles abverlangt. Um für künftige Krisen besser gerüstet zu sein, müssen Gesundheitswesen und Gesellschaft resilienter werden. Deshalb haben wir die wichtigsten Lessons learned aus Sicht der hausärztlichen Medizin erarbeitet. Diese Expertise hätten wir sinnvoll in die Arbeit des neuen Expertenrates einfließen lassen können“, betont der DEGAM-Präsident.

Die DEGAM steht für einen Dialog zur Ausgestaltung konkreter gesundheitspolitischer Pläne zur Förderung der Resilienz in der Bevölkerung weiterhin gerne zur Verfügung.


Pressekontakt:

Natascha Hövener, Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: hoevener@degam.de

Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsident: Prof. Dr. med. Martin Scherer (Hamburg)
www.degam.de

Über die DEGAM

Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung sind in der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) zusammengefasst.

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