Primärversorgung: Gesundheitsreform darf nicht warten
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) setzt sich mit Nachdruck und konkreten Umsetzungsvorschlägen dafür ein, den angekündigten Wechsel zu einem hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystem nun zügig auf den Weg zu bringen. Personelle Änderungen im Gesundheitsministerium dürfen dieses wichtige Projekt nicht verzögern.
Mitten in der Parlamentarischen Sommerpause wurde mit Carsten Linnemann (CDU) überraschend ein neuer Bundesgesundheitsminister berufen. Die DEGAM weist mit Nachdruck darauf hin, dass die angekündigte Reform der Primärversorgung durch den Wechsel an der Spitze des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) nicht ins Stocken geraten darf: Deutschland braucht jetzt eine grundlegende Reform der Primärversorgung – mit einem zeit- und bedarfsgerechten Zugang, klar geregelter Verantwortung und einer starken hausärztlichen Versorgung als zentraler Anlaufstelle.
„Es ist bereits jetzt so viel Druck im System: Die ambulante Versorgung ist für viele schwer überschaubar – mit langen Wartezeiten und unnötigen Umwegen. Besonders Menschen mit komplexen Erkrankungen, Multimorbidität oder sozialen Belastungen sind dadurch benachteiligt. Wer sich im Gesundheitssystem gut auskennt, findet sich häufig schneller zurecht. Das ist weder effizient noch gerecht“, sagt Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.
Probleme spitzen sich zu
Dass unser Gesundheitssystem vor erheblichen strukturellen Problemen steht, ist inzwischen Konsens: Der ungesteuerte Zugang zu den Versorgungsebenen, eine vielfach mengenorientierte Vergütung und Leistungen ohne hinreichenden Nutzennachweis führen zu hohen Kosten sowie zu Über- und Unterversorgung. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die ambulante Versorgung: Immer mehr Leistungen werden aus dem stationären in den ambulanten Bereich verlagert. Damit nehmen komplexe Behandlungssituationen und der Bedarf an Vor- und Nachsorge sowie Koordination zu.
„Wir können es uns weder finanziell noch personell länger leisten, dass Menschen ratlos im System umherirren und Termine völlig unkoordiniert nebeneinander herlaufen – und gleichzeitig Menschen, die wirklich dringend Termine brauchen, einfach nicht drankommen. Wir brauchen ein System mit klaren Zuständigkeiten, in dem Patientinnen und Patienten in dringenden Fällen direkt in andere Versorgungsebenen vermittelt werden können“, ergänzt Prof. Jutta Bleidorn, DEGAM-Vizepräsidentin.
DEGAM legt Eckpunkte für eine starke Primärversorgung vor
Um die notwendige Reform fachlich zu unterstützen, hat die DEGAM ein neues Eckpunktepapier zur Primärversorgung erarbeitet. Unter dem Titel „Primärversorgung: stark, verlässlich, patientennah“ beschreibt die Fachgesellschaft zentrale Anforderungen an ein zukunftsfähiges Primärversorgungssystem.
Auch eine neue „Leistungsbeschreibung Allgemeinmedizin“ liegt inzwischen vor: „Bereits heute stellen die Hausärztinnen und Hausärzte die Basis der Gesundheitsversorgung dar. Mit der Leistungsbeschreibung wollten wir das ins Gedächtnis rufen. Darüber hinaus wird aufgezeigt, welches enormes Potenzial in einem Primärversorgungssystem steckt“, erläutert Vizepräsident Prof. Marco Roos.
Beide Papiere leisten einen konkreten Beitrag zur aktuellen gesundheitspolitischen Diskussion und zum angekündigten Gesetzgebungsvorhaben. Die DEGAM bringt damit ihre wissenschaftliche und versorgungspraktische Expertise in die anstehende Reform ein. Auch auf dem ersten Parlamentarischen Abend, den die DEGAM Ende September in Berlin durchführt, wird der Dialog mit der Gesundheitspolitik vertieft.
Anmeldung Parlamentarischer Abend & Eckpunktepapier
Zum Parlamentarischen Abend am 23. September 2026 (ab 17.30 Uhr) können Sie sich hier online anmelden.
Zum Eckpunktepapier: Primärversorgung: stark, verlässlich, patientennah – Kurzfassung
Pressekontakt:
Natascha Hövener, Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: presse@degam.de
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
Über die DEGAM
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung werden überwiegend von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) realisiert.