Primärversorgungssystem: Schlüssel zu einem klimaresilienten Gesundheitssystem
Gesundheit schützen, Versorgung stärken: Mit einem neuen Positionspapier zeigt die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM), dass gute Patientenversorgung und Klimaresilienz Hand in Hand gehen. Die Fachgesellschaft fordert einen konsequenten Ausbau der Primärversorgung sowie politische und strukturelle Rahmenbedingungen, die klimaresilientes Handeln im Gesundheitswesen strukturell erleichtern.
Die DEGAM hat ein neues Positionspapier zur hausärztlich geleiteten Primärversorgung und stärkerer Klimaresilienz veröffentlicht. Die zentrale Botschaft: Gute Patientenversorgung und Klimaresilienz sind keine Gegensätze. Im Gegenteil. Eine starke Primärversorgung verbessert die Versorgung und trägt gleichzeitig dazu bei, die gesundheitlichen Folgen der Klimakrise besser zu bewältigen sowie Ressourcenverbrauch und Emissionen zu reduzieren.
Gerade jetzt bietet sich eine besondere Chance: Da Deutschland plant, ein hausärztlich geleitetes Primärversorgungssystem einzuführen, können zentrale Weichen neu gestellt werden: für mehr Orientierung im Gesundheitswesen, weniger Fehl- und Überversorgung, mehr Nachhaltigkeit und ein widerstandsfähigeres Gesundheitssystem.
Gesunde Lebensgrundlagen erhalten
Die DEGAM betont, dass die Gesundheit der Menschen eng mit den Bedingungen verknüpft ist, unter denen sie leben. Saubere Luft und ein stabiles Klima seien wichtige Voraussetzungen für ein gesundes Leben. Gleichzeitig müsse das Gesundheitssystem widerstandsfähiger gegenüber Hitzewellen, Extremwetterereignissen und anderen klimabedingten Belastungen werden. „Wer Gesundheitsversorgung und Klimaresilienz gegeneinander ausspielt, denkt zu kurz. Nur ein Gesundheitssystem, das auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereitet ist, kann die Bevölkerung auch morgen noch gut versorgen“, fordert Prof. Eva Hummers, Präsidentin der DEGAM.
Eine Schlüsselrolle kommt dabei einem hausärztlich geleiteten Primärversorgungssystem zu. Hausärztinnen und Hausärzte können klimabedingte Gesundheitsrisiken früh erkennen, besonders gefährdete Patientinnen und Patienten gezielt unterstützen und so aktiv zur Klimaresilienz des Gesundheitswesens beitragen. Gleichzeitig hilft eine starke Primärversorgung, unnötige Leistungen zu vermeiden und die Versorgung stärker am tatsächlichen Bedarf auszurichten.
Die DEGAM fordert deshalb neben dem Ausbau der Primärversorgung, finanzielle Anreize für klimaresiliente und nachhaltige Versorgungsstrukturen zu schaffen sowie das Gesundheitswesen konsequenter auf eine hochwertige und bedarfsgerechte Versorgung auszurichten. „Durch gezielte Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie die richtigen Anreizstrukturen können Nachhaltigkeit und Klimaresilienz in den Versorgungsalltag integriert werden, ohne eine zusätzliche Belastung darzustellen. Durch eine patientenzentrierte und häufig fallabschließende Behandlung tragen Hausärztinnen und Hausärzte schon heute wesentlich zu einem nachhaltigen und ressourcenschonenden Gesundheitssystem bei“, kommentiert Dr. Alina Herrmann, Sprecherin der DEGAM-Sektion Klimawandel und Gesundheitswesen.
Aus Sicht der DEGAM sollte genau jetzt der Grundstein für eine starke Primärversorgung gelegt werden, die Gesundheitsschutz und Klimaresilienz als selbstverständliche und sich gegenseitig bedingende Bestandteile guter Versorgung verankert. „Eine starke Primärversorgung ist per se kein Klimaschutzprojekt, sondern gute Gesundheitspolitik. Sie verbessert die Versorgung der Menschen, vermeidet unnötige Leistungen und macht unser Gesundheitssystem gleichzeitig widerstandsfähiger“, so Dr. Jörg Schmid, ebenfalls Sprecher der Sektion Klimawandel und Gesundheit, abschließend.
Das vollständige Positionspapier Hausärztliche Primärversorgung innerhalb planetarer Grenzen.
Pressekontakt:
Natascha Hövener, Pressesprecherin
Telefon: 030 – 20 966 98 16
E-Mail: hoevener@degam.de
Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM)
Schumannstraße 9, 10117 Berlin
Präsidentin: Prof. Dr. med. Eva Hummers (Göttingen)
http://www.degam.de
Über die DEGAM
Die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) ist eine wissenschaftliche Fachgesellschaft. Ihre zentrale Aufgabe ist es, die Allgemeinmedizin als anerkannte wissenschaftliche Disziplin zu fördern und sie als Rückgrat der Patientenversorgung weiterzuentwickeln. Die DEGAM ist Ansprechpartnerin bei allen Fragen zur wissenschaftlichen Entwicklung der Allgemeinmedizin an den Hochschulen, zur Fort- und Weiterbildung sowie zum Qualitätsmanagement. Sie erarbeitet eigene wissenschaftlich fundierte Leitlinien für die hausärztliche Praxis und beteiligt sich auch an interdisziplinären Leitlinien anderer Fachgesellschaften. Die Aktivitäten der Nachwuchsförderung werden überwiegend von der Deutschen Stiftung für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DESAM) realisiert.