Rückblick auf den Kongress „Gesundheit gestalten“ in Göttingen: Zwischen Evidenz, Versorgung & Gesellschaft
Drei Tage, vier Fachgesellschaften und rund 1.700 Teilnehmende: Der Kongress „Gesundheit gestalten – gemeinsam gesellschaftlichen Herausforderungen begegnen“ ist am 2. Oktober in Göttingen mit großem Applaus zu Ende gegangen.
Erstmalig hatte die DEGAM ihren traditionellen Jahreskongress gemeinsam mit drei weiteren medizinischen Fachgesellschaften veranstaltet: die Deutsche Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention (DGSMP), die Deutsche Gesellschaft für Medizinische Soziologie (DGMS) und das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (EbM-Netzwerk) waren dabei.
Politische Debatte zum Auftakt
Den Auftakt bildete eine vielfältig besetzte Podiumsdiskussion: Prof. Eva Hummers (DEGAM) als Gastgeberin; Prof. Nicole Skoetz (EbM-Netzwerk); Prof. Lena Ansmann (DGMS) und Prof. Christian Apfelbacher (DGSMP) diskutierten mit dem Niedersächsischen Gesundheitsminister Dr. Andreas Philippi, der Präsidentin der Landesärztekammer Niedersachsen, Dr. Marion Renneberg und der Bundesvorsitzenden des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, Prof. Nicola Buhlinger-Göpfahrt.
Im Mittelpunkt des lebendig geführten Austausches standen Fragen, die für eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung entscheidend sind: Wie lässt sich Gesundheit wirksam fördern? Wie können soziale Determinanten stärker berücksichtigt werden? Und wie gelingt eine evidenzbasierte, patientenorientierte Versorgung?
Umfassendes Programm mit besonderen Akzenten
Diese und viele verknüpfte Fragen prägten das Kongressprogramm. In 40 Vortragsbeiträgen, 30 Symposien, zahlreichen Postersessions und über 40 seit langem ausgebuchten Workshops ging es unter anderem um die Weiterentwicklung der Primärversorgung und der Verhältnisprävention sowie um Fragen zur sozialen Ungleichheit. Der Austausch war interdisziplinär, offen und manchmal auch kontrovers – also genauso, wie es auf einem wissenschaftlichen Kongress sein soll.
„Gesundheit gestalten – zwischen Medizinoverkill, verpasster Verhältnisprävention und verschleppten Reformen“: In dieser Keynote ging DEGAM-Past-Präsident Prof. Martin Scherer darauf ein, wie sich Überversorgung reduzieren lässt und was sinnvollerweise nicht Bestandteil der medizinischen Versorgung sein sollte. Auch der Live-Podcast „EvidenzUpdate“ bot ein hochinteressantes Gespräch über Priorisierung im Gesundheitswesen und diskutierte die Frage, was es braucht, um Bestehendes kritisch zu reevaluieren.
„Bürger:innentag“ als neues Format
Erstmals fand im Rahmen des DEGAM-Kongresses außerdem ein Bürger:innentag statt. Mitglieder von Bürger-Beiräten und Patientenvertretungen aus ganz Deutschland diskutierten in drei parallelen Sessions, wie Erfahrungen und Perspektiven von Patient:innen und Bürger:innen künftig stärker in Forschung und Gesundheitsversorgung einbezogen werden können.
Der Mehrwert von Erfahrungswissen und Perspektivenvielfalt wurde deutlich: Nur so können Forschungsvorhaben an den Bedürfnissen der Bevölkerung und der hausärztlichen Praxisteams ausgerichtet werden.
Drei Tage, hunderte Beiträge – unzählige Impulse
Neben den großen Debatten prägten wissenschaftlicher Austausch, konstruktive Diskussionen und zahlreiche Gespräche über Fach- und Disziplingrenzen hinweg die drei Kongresstage. Auch der wissenschaftliche Nachwuchs war stark vertreten, unter anderem im besonderen Schwerpunkt „Junge Perspektiven“.
Während des Kongresses hat sich gezeigt, wie sehr sich die Perspektiven der vier Fachgesellschaften unterscheiden – und wie gut sie sich zugleich ergänzen. Deutlich wurde: Wir wollen Gesundheit gestalten – und die Herausforderungen, vor denen unser Gesundheitssystem steht, gemeinsam angehen.
Jetzt gilt es, die vielen Impulse aus Göttingen in den Alltag und in die weitere Arbeit mitzunehmen. Wenn wir unsere Kompetenzen und unser Engagement bündeln und der wissenschaftliche Nachwuchs diesen Weg mitgeht, können wir gemeinsam viel bewegen!
Ärzte Zeitung berichtet umfangreich
Der Medienpartner Ärzte Zeitung hat live vom Kongress berichtet. Hier kommen Sie zur digitalen Kongress-Zeitung - für einige Beiträge mit explizit medizinischer Ausrichtung müssen Sie sich als Angehörige von Heilberufen vorab anmelden: DEGAM-Kongresse